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7 Minuten am Vesuv

16.04.2012 13:21 Uhr |


Ulrike Hübner, Klasse 8a, Kurfürst-Joachim-Friedich-Gymnasium, Wolmirstedt


7 Minuten, so lange bräuchtedie Lava bis zum Meer, würde der Vesuv ein weiteres Mal ausbrechen, erklärt uns Dr. Urte Dally, Verantwortliche für den Leihverkehr der Pompejiausstellung im Landesmuseum Halle, zur Flucht keine Chance. Bis heute weiß man nicht genau,wie viele Menschen 79 n. Chr. dem Vesuv zum Opfer fielen. Die Ausstellungsräume sind belebt, zahlreiche ausgestellte Alltagsgegenstände vermitteln einen sehr genauen Eindruck davon, wie das Leben am Vesuv gewesen sein musste. In der Mitte unter anderen des ersten Ausstellungsraumes bietet der Nachbau einestypischen römischen Atriums einen unvergleichlichen Einblick in das Leben der Pompejianer. Vergleichsweise karg möbliert sind vor allem die kunstvollgestalteten Wände ein Blickfang.Hierbei handelt es sichnicht etwa um eine Rekonstruktion oder Nachbildung, sondern tatsächlich um den echten Putz,wie er einst in Pompeji zu sehen war, erklärt uns die Siebenundvierzigjährige. Dieser wurde aufwändig von  seinem ursprünglichen Untergrund entfernt und auf die Wände übertragen. Im Rest des Raumes sindzahlreiche Fundstücke aus der Umgebung rund um Pompeji zu begutachten.Neben  ganz gewöhnlichen Gegenständenauch Dinge, die bei uns Verwunderung hervorrufen, wie etwa ein großes Tongefäß,das an den Seiten Löcher aufweist, Atemlöcher, wie Frau Dr. Dally verrät, denn hierbei handelt es sich um ein Siebenschläferzuchtgefäß. Was bei uns auffragende Blicke stößt, war früher ganz alltäglich, denn "wie man heute bei unsKaninchen isst und anderswo Meerschweinchen, so haben die Römer ebenSiebenschläfer gegessen.", versetzt sie, nicht ganz ohne ein Lächeln in dem vonbraunen Haar umrahmten Gesicht. Gerade solche aus unserer Sicht Kuriositätenwecken immer wieder das Interesse der Besucher. Einige Schritte weiterfindet man wiederum einen Grund zum Staunen: Sieht man in den Schaukasten,blickt man auf einen Dolch, daneben einen Revolver, beide sind schmutzig undvoller Sand. Gegenüber ein ganz ähnliches Bild: Ein Beinschoner eines Gladiatoren und ein Knieschützer eines heutigen Fußballers, beide deutlich blessiert. Ein ungewöhnliches Bild, das auf allgemeine Erheiterung stößt undgleichzeitig vor eine Frage stellt. Was wird man in 2000 Jahren aus heutiger Zeit ausgraben? Tatsächlich leben bis heute etwa 3 Millionen Menschen (aufgrund zahlreicher Unregistrierter geht man davonaus, dass es weit mehr sind) in der Umgebung des Vesuv, einige direkt am Krater. "Sie verdrängen es sehr erfolgreich.", antwortet  sie auf die Frage, ob die dort lebenden Menschenkeine Angst vor dem weiterhin aktiven Vulkan haben. Zuletzt brach der Vesuv1945 aus, jedoch nicht so verherrend wie zu Zeiten Pompejis, doch auch einsolcher Ausbruch könnte sich durchaus wieder ereignen.Auch mit diesem Themabeschäftigt sich die Ausstellung umfassend, so werden etwa auf einem Bildschirmlive aus Neapel die seismologischen Tätigkeiten des Vesuvs übertragen. Dieserist mittelfristig ruhig, wie man sich hier versichern kann. "Doch was heißtmittelfristig? 12 Jahre? 6 Jahre? 12 Monate?", so Frau Dr. Dally.Beim weiteren Gang durch dieAusstellung fällt vor allem die Kunstfertigkeit und der Reichtum der Pompejianerauf, zahlreiche Kunstschätze, wie auch etwa filigran verziertes Silberbesteckund andere Schätze, fallen ins Auge und zeugen von der einstigen Pracht derrömischen Stadt.Zu Pompejis Prachtzeitengehörten auch viele germanische Regionen, wie auch das heutige Sachsen-Anhaltzu deren Handelspartnern, so werden etwa zahlreiche für Römer typischeExponate, die im heutigen Deutschland gefunden worden, ausgestellt.Später brachte man Sachsen-Anhaltzumeist  durch Leopold IIIFriedrich-Franz  mit Italien und vorallem den Vesuv in Verbindung. Der Fürst lies den Wörlitzer Gartenparkerrichten, dessen Prunkstück die Nachbildung des Vesuvs war.Schließlich wird es mit demBetreten eines weiteren Ausstellungsraumes merklich ruhiger. Zu sehen sind dieAbdrücke der Leichen einer Familie, die in Pompeji gefunden wurden. Obwohl derTod in dieser Ausstellung nicht im Vordergrund steht, fühlt man sich hierunvermeidlich an die Tragik der Geschehnisse in und um Pompeji erinnert. Die Körper sind nocherstaunlich gut zu erkennen. In der aschgrauen Masse kann man gerade bei demjüngeren der beiden Kindern noch einzelne Gesichtszüge ausmachen. Drei derLeichen liegen beieinander, umschlungen. Ein weiteres Kind wurde einige Meterentfernt gefunden. Eine gewisse Bedrückung liegt in der Luft. Durch diesen Raumgeht man nur flüchtig, gerade so lange, dass man einen guten Blick auf dieExponate erhaschen kann, aber verharren, wie in den anderen Räumen möchtekeiner so wirklich.Zuletzt wird eine derdringensten Fragen beantwortet: Gab es denn überhaupt Überlebende? Die Fragewird bejaht, wenn auch mit der Erklärung das man nicht weiß, wie vielerechtzeitig fliehen konnten. Trotzdem hat es etwas Tröstliches, dass nicht alledem Schicksal jener namenlosen Familie erlagen.







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Copyright © Schmaz 2013
Dokument erstellt am 2012-04-16 13:22:37


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